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28.7.2017 : 4:45 : +0200

Die Gloger Orgel

Der Presse nach ist die Säcker Orgel ein Rembrandt unter den Orgeln, dem Säcker Organist Walter Mahrhold (+2016)nach ist sie ein Juwel. Sie ist die älteste erhaltene Orgel in Norddeutschland und hat einen frischen und hellen Klang.

Die Orgel wurde im Auftrag des Kammerherrn Friedrich von Steinberg zwischen 1726 und 1728 auf einer geschwungenen mit Balustergeländern versehenen Empore von Johann Wilhelm Gloger als Meisterstück erbaut. Die Abnahme erfolgte im November 1728.

Friedrich von Steinberg schrieb über die Orgel: „Alß Vorzeiger dieses Johann Wilhelm Gloger seiner Profession nach ein Orgelbauer in meiner Kirchen zum Sacke eine von Grund AUS NEUE Orgekl von 12 nachgesetzten Stimmen angeleget. Als 1) Principal 8 fuß von puren englischen Zinn. 2) Quintathena 16 fuß von guten Metall. 3) Octava 4 fuß Metal. 4) Super Octava 2 fuß Metal. 5) Quinta 2 2/3 fuß Metal. 6) Sesquialtera 2fach. 7) Mixtur 4fach 8) Flüt Traverse 4 fuß. 9) Naßgat 2 2/3 fuß. 10) Siffloit 2 fuß. 11) Gedackt 8 fuß. 12) Trompete 8 fuß mit zwey Reghister, nebst dreyen guten suffisanten Bälgen, welche mit guten neuen  und noch niemals gesehenen GegenGewichten gemacht worden, recht wohl schlagenden Tremulanten, ein neu Sperrventil, einem sauberen Clavir von Elfenbein und Ebenholz nebst einer guten bestendigen Wind-Laden, Wind-Leitungen, Registraturen und Abstracturen, auch einer recht wohl proportionirten Structur, und geordnetem Schnitz-werck, alles nach seinem besten Wissen und Gewissen, mit recht ungemeinen Fleiße und eigener Hand verfertiget hat.“

Das Gehäuse in klassischer Bauweise ist ein Gehäuse aus massivem Nadelholz in Rahmenkonstruktion. Das Gerüst ist ein Ständerwerk aus Massivholz. Das Zungenstimmtreppchen ist original erhalten. Der Prospekt ist mit drei polygonal- und  zwei Spitztürmen gestaltet.

Die Windanlage besteht aus einer dreifachen Keilbalgenanlage mit Treteinrichtung. Die Kanalanlage ist original erhalten und besteht aus Massivholz. Der Winddruck beträgt 28 Hamburger Grad gleich 66,7m WS. Die Windanlage ist aus Eiche gefertigt, die Verbindungen sind in Schwalbenschwanzart. Die Schiede sind aus Eiche gefertigt, in den Ecken befindet sich einen Innenbelederung. Die Kanzellenabdeckung ist ebenfalls aus Eiche, die Verbindung mit den Schieden ist geleimt. Als besondere Sicherung gelten die Belederung. Dämme und Pfeifenstock sind ebenfalls aus Eiche. Die Ventile im Windkasten sind auch aus Eiche, die Pulpeten sind mit Leder und Holzscheiben selbstdichtend.  Die Belederung besteht aus Schafsleder, die Wellen aus Kiefer und die Döckchen und Ärmchen aus Eiche.

Die Klaviatur umfasst C-c```, das CIS fehlt. Die Untertasten sind aus Elfenbein, die Obertasten aus Ebenholz. Die Pedale umfassen C-d`. Die Pedale bestehen aus Eiche. Die Tasten haben ein Gang von 10 mm. Der Tastendruck bei gezogenem Register (gemessen in p): C226, c°190, c`190, c`` 160, c``` 175. Die Traktur ist mechanisch, die Zugstangen und Ellen bestehen aus Eiche.

Die Metallpfeifen sind auf Tonlänge geschnitten, z.T. oben zugelötet, z.T. mit Kapseln versehen. Die Holzpfeifen sind aus Kiefer gefertigt. Doe Prospektpfeifen sind im Frontbereich aus 100%iger Zinnlegierung, die Rückseite ist aus einer Bleilegierung.

Der Klang ist frisch und lebendig, die unterschiedlichen Register bieten eine vielfältige Tonfärbung.  Die Orgel hat eine mitteltönige Stimmung nach Kirnberger. Die Stimmtonhöhe liegt ½ Ton über dem Kammerton a`44 Hertz (auf b`455 Hz), 6 reine und 6 schwebende Quinten.

Disposition

01 Quintadena       16`             

02 Prinzipal           8`               

03 Gedackt            8`

04 Oktave              4`

05 Traversflöte       4`

06 Quinte              3`

07 Nasard             3`

08 Oktave              2`

09 Blockflöte          2`

10 Mixtur               4f

11 Sesquialtera      2f

12 Trompete 8`

2 Zymbelsterne

Wippfedertremulant

Calkantenschelle

Sperrventil

1998 wurde nach 2 Jahren von der Schweizer Firma Bernhardt Edskes die Restaurierung der Orgel abgeschlossen. Dabei wurden die Register 1 bis 9 restauriert und die Register 10 – 12 rekonstruiert.

(aus "Wir wollen nach´n Sacken geh´n" von Stephanus Fischer / Jürgen Gerke und "Beschreibung der Säcker Orgel von Joh.Wilhelm Gloger" von Kornels Bosman)